Mittwoch, 5. September 2018

Bergab.


In der letzten Zeit ist viel Traurigkeit in mir. Ich denke, dass ich weiß, warum. Aber ich habe noch kein Ventil gefunden, sie abzubauen. Ich habe ein wenig Angst, dass meine Gesamtstimmung wieder umschlägt und ich wieder in den Sumpf der Depressionen gezogen werde. Das letzte Mal war das vor 2 ½ Jahren der Fall, als ich meine Bachelorarbeit fertiggestellt habe. Damals, denke ich, war es Stress, Angst und Unzufriedenheit wegen der fehlenden Unterstützung. Allerdings habe ich mich nach dem eigenständigen Absetzen des Antidepressivums, das ich einfach nicht vertragen habe, gut gefangen und seitdem ging es mir gut. Natürlich mit Höhen und Tiefen, aber es ging mir gut.
Seit Anfang diesen Jahres bin ich mir ziemlich sicher, dass ich den Hauskauf bereue. Ich habe es oft angedeutet, aber nie direkt ausgesprochen, weil ich es mir nicht eingestehen wollte. Fakt ist, dass ich da mitgezogen habe, weil F. mich einfach mit seiner Euphorie überzeugt hat. Das Haus ist niedlich und in einem guten Zustand, der Garten ist auch okay. Aber generell ist das Haus genau das Gegenteil von dem, was ich mir unter meinem Traumhaus immer vorgestellt habe. Zu klein, kein Ofen, verputzt statt verklinkert. Und dann dieser doofe Gartenteich, der einen Großteil des Gartens einnimmt. Außerdem komme ich mit den Schulden gedanklich einfach nicht klar. Ich bin endlich so weit, dass ich es schaffe, mir gelegentlich etwas zu gönnen, und trotzdem sind da diese Schulden im Hintergrund und verdunkeln alles. Die für mich sinnvollste und beste Lösung wäre es gewesen, bei meiner Oma einzuziehen, sich den Dachboden zusätzlich mit Kinderzimmern auszubauen und später das Haus komplett zu übernehmen und dann herzurichten, wie wir es wollen. Ohne Schulden. Dafür ist es jetzt zu spät, das ist mir klar. Aber es macht mich traurig.
Dazu kommen diese beiden Idioten auf der Arbeit, die mich einfach nicht in Ruhe lassen wollen plus eine Bekanntschaft außerhalb, die beschlossen hat, dass ich seine große Liebe bin, weswegen ich ihn jetzt abblitzen lasse, weil ich von Anfang an nur Freundschaft wollte. Die Kollegen auf der Arbeit belasten mich aber mehr, weil ich sie täglich sehe. Ich weiß auch genau, wie der richtige Umgang mit ihnen wäre: Klare unfreundliche Ansage und wenn sie sich dann nicht zusammenreißen können, mit ihrem Chef sprechen. Und ich kann es auch nur schwer erklären, aber ich glaube nicht, dass ich es schaffen würde, ein riesiges Fass aufzumachen und mit ihrem Chef zu sprechen. Ich will nicht, dass die dann wütend werden und versuchen, mich firmenintern schlechtzureden. Das könnte ich nicht verkraften, aber ich befürchte, dass es genau das ist, wie sie damit umgehen würden. Es gibt Männer, die ziehen sich zurück und lecken ihre Wunden, und es gibt Männer, die greifen an. Diese beiden sind nicht die Arten von Mensch, die sich zurückziehen. Am Anfang dachte ich, dass ich das Ganze nur lästig finde, aber mittlerweile merke ich, dass mich das wirklich mitnimmt. Ich habe keine Lust, nur noch vermummt zur Arbeit zu gehen, weil irgendjemand mich als Objekt der Begierde abstempeln könnte. Gerade jetzt, wo ich langsam anfing zu begreifen, dass ich nicht der hässlichste Mensch auf Erden bin, möchte ich nicht darüber nachdenken müssen, wie ich mich anziehe oder wie das auf Menschen wirkt. Das macht mich traurig und wütend zugleich.
In Summe führt meine Situation dazu, dass ich momentan sehr traurig, unruhig und unzufrieden bin. Über die Sache mit dem Hauskauf kann ich mit F. nicht sprechen, weil  für ihn dann eine Welt zusammenbrechen würde und ganz ehrlich, was sollte er auch tun? Es ist nicht mehr umkehrbar. Ich hätte von Anfang an in mich horchen und mich nicht von ihm mitziehen lassen sollen, dafür ist es jetzt halt zu spät. Und die andere Sache? Darüber habe ich mit diversen Menschen gesprochen. Die haben mir alle denselben Rat gegeben: Sprich mit den Kollegen, mach ihnen eine klare Ansage und wenn sich nichts ändert, sprich mit deren Chef. Aber das ist so viel einfacher gesagt als getan. Ich sehe momentan keine Lösung. Ich muss unbedingt einen Weg finden, mit meiner aktuellen Situation umzugehen. Sonst geht meine geistige Gesundheit wieder furchtbar in die falsche Richtung.  
 
Sometimes you reach for the stars but all you
get is pain.
 

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