Montag, 28. Mai 2018

Alltagsgedöns...


Gut, dass es nur eine kurze Woche ist. Das Wochenende war schön, nur zu warm und zu kurz. Samstag war ich bei meinen Eltern frühstücken, weil meine Schwester zu Besuch war. Gestern hatte ich leckeren Spargel, weil wir mit meiner Oma essen gegangen sind. Ich liebe Spargel, esse ihn aber viel zu selten. F. mag ihn nicht und deswegen denke ich auch selten daran, ihn zu kaufen. Meine Schwester bringt ihren neuen Freund momentan immer mit, wenn sie kommt. Wenn ich das damals mit meinem Ex gemacht hätte, wäre meine Mutter durchgedreht. Aber bei meiner Schwester werden eben andere Maßstäbe angesetzt. Ich verstehe auch nicht, dass sie immer mit Auto kommen, obwohl sie beide ein Semesterticket haben. Sie wären zwar länger unterwegs, würden aber einiges an Spritkosten sparen. Als ich noch in Bielefeld wohnte, hatte ich ja auch ein Auto, bin aber trotzdem nur selten damit nach Hause gefahren, weil ich es mir weder leisten konnte, noch wollte. Es waren halt jedes Mal auch fast 10 €, die ich verfahren hätte. Und bei ihr sind es über 30 €. Gleichzeitig huldigen sie aber das Stadtleben und dass man ja theoretisch gar kein Auto bräuchte. Passt irgendwie nicht zusammen. Aber okay. Das muss jeder selbst entscheiden. Vermutlich stört mich auch nicht dieser Firlefanz, sondern die Tatsache, dass ich wohl mein Leben lang Unzulänglichkeitsgefühle bekomme, wenn ich sehe, was für ein Drama um das ganze Leben meiner Schwester gemacht wird, während ich halt existiere und wie selbstverständlich da bin. Sie tut immer so, als wäre sie mega beschäftigt und im Stress, dabei – und jetzt muss ich aufpassen, dass das nicht falsch klingt – arbeitet sie ja nicht „richtig“, sondern schreibt bald „nur“ ihre Doktorarbeit. Und ihr Freund „arbeitet“ am selben Institut. Dass Arbeiten an Instituten wenig bis nichts mit der Industrie zu tun hat, weil Projekte nicht in engen Fristen abgearbeitet werden müssen, sondern das Ganze sehr theoretisch und forschungslastig ist, muss ich wohl gar nicht erst versuchen, ihr zu erzählen. Das wird nicht fruchten. Denn Leute von der Uni können alles und sind unverzichtbar. Letztens hat sie quasi in einem Atemzug erzählt, dass sie ja noch gar nichts richtig machen könne, im anderen Atemzug aber ein Riesendrama gemacht, als es darum ging, dass der Techniker von der Telekom kommen sollte und sie an dem angepeilten Termin aber Abteilungsmeeting hätte. Ja…und? Will sie deswegen auch niemals an einem Donnerstag Urlaub nehmen oder wie? Oh Mann…Ja. Aber das sind so Sachen, die werde ich ihr gegenüber bestimmt nicht ansprechen. Es ist ja gut und schön, dass sie dort untergekommen ist, noch dazu gemeinsam mit ihrem Freund (und auch das war wieder einmal mehr Glück als Verstand). Aber warum muss sie da so ein riesiges Ding draus machen und meine Eltern ziehen da einfach voll mit? Während ich mit Pauken und Trompeten in Arbeit versinke, aber das kann doch nicht so schlimm sein, was hat ein normaler Konstrukteur denn schon großartig zu tun? Außer eben, da wir eine kleine Firma sind, neben konstruktiven Dingen auch noch alles andere zu organisieren und koordinieren und zu überwachen, damit am Ende etwas Vernünftiges dabei herauskommt…
Wow. Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt zu solchen Veranstaltungen überhaupt erscheine, denn ich bin danach tagelang entweder auf 180 oder deprimiert. Oder beides. Meine Schwester ist eine liebe Person, aber seit sie zum Studieren weggezogen ist, habe ich mehr und mehr den Bezug zu ihrem Leben verloren, weil ich es einfach nicht verstehe. Außerhalb von Uni und Arbeit kann / könnte ich gut mit ihr reden, aber irgendwie geht es eben doch immer nur um das Eine. Und das führt bei mir dazu, dass ich schnell auf Durchzug stelle, weil es mich entweder aufregt oder mich nicht interessiert… eigentlich aber vor allem aufregt.
Ich habe meine Familie wirklich gern. Ich bin nur ein recht feinfühliger Mensch und kann nur schlecht darüber hinwegsehen, dass wir nicht gleich behandelt werden und auch nie gleich behandelt wurden. Das setzt mir schon zu. Darüber reden kann ich auch nur schwer. F. ist derselben Ansicht wie ich, bei dem heule ich mich immer aus, wenn es mal wieder besonders anstrengend für mich zu ertragen war. Ich verstehe auch, dass meine Schwestern seltener bei meinen Eltern sind als ich und das deswegen mehr zelebriert wird. Aber dass aus deren Leben einfach mehr gemacht wird als aus meinem, das ertrage ich nur schwer.

1 Kommentar:

  1. Das klingt wirklich etwas anstrengend mit Deiner Schwester. Aber bei den Juengeren wird von den Eltern aus manchmal auch automatisch mehr Tratra gemacht als eigentlich noetig und dann noch die Entfernung.. Aber kann verstehen, dass es trotzdem schade und bloed fuer Dich ist. Manchmal hilft es wirklich wenn man sich da ein klein wenig zurueck zieht,dann merken sie es vielleicht mal. Wuensche Dir einen guten Wochenstart!

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