Mittwoch, 25. April 2018

Vegane Ernährung ist soooo teuer.


Nach wie vor hält sich das Gerücht, dass vegane Ernährung unglaublich teuer und somit den finanziell besser aufgestellten Menschen in der Gesellschaft vorbehalten ist. Vorweg kann ich sagen, dass dem nicht so ist, zumindest nicht zwingend – das gilt aber genauso für die omnivore Ernährung. Bei mir persönlich hat sich folgende Tendenz herauskristallisiert: Je gesünder ich esse, desto günstiger wird es. Klingt bizarr, ist aus folgendem Grund aber wahr: Gesünder bedeutet für mich, weniger Ersatzprodukte zu kaufen und das sind auch die kleinen Teufel, die zu einem großen Teil eher ungesund sind und noch dazu einen Haufen Geld kosten. Ich brauche aber nicht bei jeder Mahlzeit ein Sojaschnitzel auf dem Teller oder beim Grillen vegane Bratwürstchen (mit denen ich bisher auch überwiegend keine großartigen Geschmackshighlights hatte). 2016, das erste Jahr meines vollen Gehaltes und ab dem Sommer die erste Zeit, in der ich mich mit veganer Ernährung auseinandergesetzt habe, habe ich unglaublich viel probiert. „Würstchen“ hier, „Schnitzel“ da, „Käse“ dort, ich war begeistert von der Vielfalt der Ersatzprodukte, die so auf dem Markt sind. Fasziniert deshalb, weil ich 2005 Vegetarier wurde und vegetarische Würstchen (zumindest bei uns auf dem Land) damals ausschließlich im Reformhaus zu horrenden Preisen erhältlich waren. 2005…wow, das ist fast 13 Jahre her. Jetzt fühle ich mich alt.  
Gesund waren all diese Ersatzprodukte natürlich nicht. Irgendwann war ich dann auf diversen veganen Blogs unterwegs und stellte fest, dass Ersatzprodukte dort doch eher die Ausnahme waren. Und mir wurde bewusst: Als ich Vegetarier war, gab es die für mich auch nicht. Hin und wieder hat meine Mutter mal einen Backcamembert als Fleischersatz gemacht, aber meistens hat sie die Mahlzeiten einfach so gestaltet, dass ich eben Beilagen essen konnte. Und das war dann meistens eine Stärkebeilage und Gemüse (wenn überhaupt und die Essstörung mich keine Ausreden a’la: Ich habe schon gegessen erfinden ließ…anderes Thema). Ich brauche all das Zeug gar nicht.
Da habe ich dann angefangen, die Ersatzprodukte zurückzuschrauben. Das Einzige, was ich regelmäßig benötige, ist Räuchertofu, Sojamilch und Sojajoghurt. Ich habe mein Leben lang Joghurt geliebt und werde es einfach nicht los. Aber da ich nur noch 1-2 mal die Woche Joghurt esse, ist das in Ordnung, denke ich. Ich esse jetzt als Grundlage sehr viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte. Und das kostet nicht viel. Im Gegenteil – der teure Faktor in unserer Haushaltskasse sind F.s Fleisch (das hat er früher, als wir noch studiert haben, selbst gezahlt) und seine Getränke. Und das, obwohl ich immer noch leidenschaftlich gern backe.
Meine Ernährung hat sich seit 2016 dramatisch gewandelt: Anfang 2016 ging es mir psychisch sehr schlecht. Ich wog nur um die 50kg und war depressiv. Ich habe Antidepressiva genommen, die ich nicht vertragen habe und deshalb eigenmächtig wieder absetzte. Dann begann ich, an meiner Ernährung zu schrauben und habe Salate und Grünzeug für mich entdeckt und mich somit schon deutlich ausgewogener ernährt als zuvor. Im Sommer, auf den Seychellen dann, habe ich vieeeel Zeit zum Nachdenken gehabt (und nebenbei habe ich noch um die 10 Bücher gelesen in den 14 Tagen…meine Güte, da war wirklich nicht viel los) und mir kam der Gedanke, dass ich gern einen veganen Tag in der Woche einlegen möchte. Schnell hat sich das aber ausgeweitet, bis vegetarische Tage eher die Ausnahme wurden. Und das ist bis heute so. Es gibt immer noch seltene Ausnahmen, die ich mache. Das mögen die meisten für inkonsequent halten, für mich bedeutet es aber, dass ich nicht hungern will, wenn es nicht anders geht. Ich wohne auf dem platten Land. Da sind die Möglichkeiten weit weniger ausgeprägt als in Städten. Ich habe so viel gehungert in den Jahren von 2005-2016 und möchte einfach nicht wieder ein zwanghaftes Essverhalten entwickeln – egal in welche Richtung. Ich nenne mich nach wie vor nicht Veganer, denn ja: Ich setze mich mit veganer Ernährung auseinander, ich stelle vegane Produkte vor und letztlich ernähre ich mich zu 98% vegan, die Ausnahmen werden seltener und seltener und das schlechte Gewissen größer und größer, wenn ich mal eine machen muss. Jeder andere würde sich vermutlich als Veganer bezeichnen, aber ich bin da pingelig und würde mich heuchlerisch fühlen, mich so zu nennen. Um genau zu sein, kann ich mich nicht einmal an die letzte Ausnahme erinnern, also wird sie schon ein paar Monate her sein. Ich denke aber, mit der Einstellung ist den Tieren deutlich mehr geholfen, als wenn ich es zu 100% versuche, irgendwann aber das Handtuch schmeiße und wieder munter meinen Kakao als Mahlzeitenersatz in mich hineinschütte. Ich schweife ab.
Omnivore Ernährung kann auch teuer sein. Das mag daran liegen, dass man viel essen geht oder besonders viel Fleisch isst (selbst das billige Zeug ist halt immer noch deutlich teurer als z.B. eine Tüte Hülsenfrüchte) oder nur Fleisch vom Bauern kauft oder halt einfach ein kleiner Markenfetischist ist. Oder wenn man, was für Veganer übrigens auch gilt, ein Fan der ganzen Superfoods ist. Ob man das braucht, steht auf einem anderen Blatt. Ich muss aber zugeben, dass ich sehr angetan bin von Chiasamen, einfach, weil sie für mich ein guter Omega 3-Lieferant sind.
Vegane Ernährung ist also nicht teuer – zumindest nicht zwangsläufig.










 

1 Kommentar:

  1. Ja, Muenchen ist wirklich super schoen, wuerde Dir bestimmt gefallen, und im Cotidiano gab es auch eine ganz tolle vegane Auswahl :) Ich finde das ganz toll wie Du das mit der Ernaehrung machst. Ich esse zwar Fleisch, versuche aber mein Fleischkonsum auf 2x in der Woche zu reduzieren. Ansonsten esse ich auch gerne viel Gemuese und Huelsenfruechte und mal Fisch. Ich finde es auch nicht teuer, wenn man sich hauptsaechlich pflanzlich ernaehrt, natuerlich gibt es da Ausnahmen, wie Z.B. Avocados, die ich ja liebe, wenn man die jeden Tag kaufen wuerde, waere es dann natuerlich schon teuer :D Bei Fisch kaufe ich immer Bio Produkte, was wirklich unglaublich teuer ist, aber das ist es mir dann auch wert. Bei Fleisch und Milchprodukten muss ich zugeben, dass ich das leider nicht mache, da ist also noch Potential, aber wenn man alles Bio kauft wird der Wocheneeinkauf dann eben so horende teuer, dass man direkt essen gehen kann, naja da muss ich mir nochmal was ueberlegen, aber so oft kommt Fleisch wie gesagt ja eh nicht auf den Tisch, ich nehme auch gerne mal Tofu als Alternative, oft habe ich da richtig Heisshunger drauf.

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