Donnerstag, 18. Januar 2018

Stress und Sturm.


Ist es eine dauerhafte Lösung, sich auf die positiven Aspekte im Leben zu konzentrieren? Nennt man es nicht Verdrängung, wenn man die negativen Aspekte einfach nach hinten drängt? Ich war nie ein Optimist. Ich war und bin immer noch sehr pessimistisch. Ich sage mir, dass ich, wenn ich immer vom schlimmsten Szenario ausgehe, ich nur positiv überrascht werden kann. Ich habe lange versucht, mich auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren. Aber das ist nun einmal nicht die Realität. Die Realität besteht aus positiven und negativen Erlebnissen. Das Beste ist es wohl, einfach Realist zu sein. Beide Seiten zu sehen, die Negativen nicht über zu bewerten und die Positiven nicht zu übersehen. Ich war nie gut darin, ein Mittelmaß zu finden, und dementsprechend muss ich wohl daran arbeiten.

Fakt ist, dass mein Leben momentan toll läuft – abgesehen von dem Tohuwabohu auf der Arbeit. Da man aber unter der Woche deutlich mehr Zeit auf der Arbeit verbringt als in wachem Zustand Zuhause, ist das natürlich ein großer Faktor, der mich sehr runterzieht. Ich bin kurz davor, mich einfach mal eine Woche krankschreiben zu lassen, damit ich nicht irgendwann zusammenbreche. Die 600km-Tour innerhalb eines Tages am Dienstag hat mir meine letzten Kraftreserven geraubt, die ich für diese Woche hatte. Wenn ich abends nach der Arbeit am Treffpunkt ins Auto wanke, bin ich die ganze Fahrt kaum vernünftig ansprechbar. Mich werfen Kleinigkeiten aus der Bahn und ich bin derzeit sehr nah am Wasser gebaut, obwohl das ganz atypisch für mich ist. Das ist scheiße. Das bin nicht ich. Ich habe mein Vorhaben noch einmal überdacht. Die Firma zum jetzigen Zeitpunkt wechseln ist eine ganz blöde Idee. Das kann gut gehen, wenn wir in ein, zwei Jahren erst Eltern werden. Aber gerade wenn man damit kalkuliert, klappt das sicher nicht. Wenn man damit kalkuliert, muss man auch nicht die Pille absetzen. Ich habe in meinem Leben die Prioritäten klar nicht auf die Arbeit gelegt. Ich möchte eine Familie und zwar nicht erst in fünf Jahren, sondern jetzt. Ich habe viel mit F. darüber gesprochen und trotz seiner Versicherung, mich zu unterstützen, wie es geht, die Elternzeit ggf. zu teilen, habe ich mich entschieden, in der Firma zu verweilen, bis das Thema durch ist. Ich hätte hier die Möglichkeit, etwas von Zuhause aus zu arbeiten, um nicht rauszukommen. Wie kommt es bei einem neuen Arbeitgeber an, wenn man bei ihm anfängt und dann nach ein paar Monaten gestehen muss, dass man in ein paar Monaten wieder ausfällt? Das ist einfach kein guter Start ins gemeinsame Arbeitsleben und deswegen gehe ich in der Elternzeit auf Jobsuche, nicht vorher. Übrigens denke ich auch, dass ich es bereuen würde, nicht das ganze erste Jahr Zuhause zu bleiben. Das liegt nicht daran, dass ich F. das alles nicht zutraue, sondern dass ich denke, dass man die Zeit auskosten möchte, wenn man schon die Möglichkeit dazu hat.

Jedes Mal, wenn ich mir vor Augen halte, warum ich das alles mit mir machen lasse, geht es mir danach besser. Ich denke, es lohnt sich. Und ich denke auch, dass ich einfach ein wenig rücksichtsloser meinem jetzigen Arbeitgeber gegenüber sein sollte. Wenn mir alles zu viel wird, bin ich eben einfach mal eine Woche krankgeschrieben und nutze die Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen. Es liegt letztlich auch in seinem Interesse, dass ich nicht ganz ausfalle.

Übrigens bin ich gespannt, ob wir nachher überhaupt nach Hause kommen. Friederike hat dafür gesorgt, dass momentan alle Straßen in Richtung unseres Wohnortes bis auf Weiteres gesperrt sind, yay. Der Dorffeuerwehr ist ein Baum auf den Rettungswagen gekippt. Hoffentlich ist unser Haus heile.

Quelle: www.lzsz.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen