Donnerstag, 16. November 2017

George Orwell - Die Farm der Tiere


Ich bin eigentlich durch Zufall auf dieses Buch gestoßen, als ich ein wenig Klassiker der Literatur durchforstet habe. Um ehrlich zu sein, habe ich es vor allem wegen des Titels gekauft. Von George Orwell kannte ich bisher nur, wie vermutlich jeder, das dystopische Buch 1984, das vermutlich jeder mal in der Schule im Englischunterricht lesen musste.

Die Geschichte – Achtung Spoiler!

Das Buch handelt von den Tieren auf einer Farm, die einen Aufstand anzetteln und ihren Bauern vom Hof verjagen. Daraufhin sind sie auf sich allein gestellt, auch wenn die Schweine, die als die intelligentesten unter ihnen akzeptiert werden, das Zepter in der Hand haben und die Angelegenheiten regeln. Die Farm wird ab jetzt die Farm der Tiere genannt, und es werden sieben Gebote des Animalismus aufgestellt, die grundsätzlich darauf abzielen, dass Tiere keine menschlichen Eigenschaften annehmen sollen und alle Tiere gleich sind. Die Tiere betreiben die Farm nun eigenständig mit großem Erfolg. Alle Erträge werden geteilt, allerdings sind die Äpfel und die Milch von Anfang an den Schweinen vorbehalten, weil sie die Denkarbeit leisteten. Napoleon und Schneeball, die Oberhäupter der Schweine, geraten schnell aneinander, als es um den Bau einer Windmühle geht. Schneeball wird von der Farm vertrieben und Napoleon lässt die Tiere daraufhin immer härter arbeiten und schafft immer mehr gemeinschaftliche Entscheidungen ab, sodass er am Ende der alleinige Entscheider ist und die Schweine an oberster Stelle stehen. Schließlich gehen die Schweine Handelsbeziehungen mit den umliegenden Farmen ein, sodass die Winter für die Tiere noch härter werden, weil das Futter knapp wird. Alleinig die Schweine leben in Saus und Braus und beziehen irgendwann das Farmhaus. Irgendwann beginnen sie aufrecht zu gehen und sich zu kleiden wie die Menschen. Als sie ein Bankett abhalten und Karten spielen, um die Handelbeziehungen zu den Menschen zu kräftigen, und mit ihnen in Streit geraten, weil beide beim Spielen gemogelt haben, können die Tiere nicht mehr unterscheiden, wer Mensch und wer Schwein ist.

Der Hintergrund:

Auch wenn es für mich nicht direkt offensichtlich war, soll das Buch die Geschehnisse der jungen Sowjetunion darstellen. Es beginnt bei der Herrschaft des Bauerns (Zar Nikolaus II.) und geht über den Aufstand der Tiere (Februar- und Oktoberrevolution) und die Ausbildung des Animalismus (Sozialismus und Kommunismus) bis hin zu der Herrschaft der Schweine (Wandel des Kommunismus in den Stalinismus). Das Ende, die Feier der Schweine mit den anderen Farmern, symbolisiert die Teherankonferenz von 1943, als die Sowjetunion mit anderen kapitalistischen Ländern zusammensaß und somit gegen die eigenen Ideale verstoßen hat. Der Streit am Ende, so wird vermutet, deutet bereits auf den sich anbahnenden Kalten Krieg zwischen der Sowjetunion und den USA hin.

Wenn man das weiß, und ich hatte diese Information zum Glück vorher, sieht man die Geschichte mit ganz anderen Augen.

Meine Meinung:

Ich finde diese Geschichte (ist es noch eine Dystopie, wenn es bereits in der Vergangenheit so passiert ist?) sehr gut geschrieben und vor allem den geschichtlichen Hintergrund sehr gut verbildlicht. George Orwell wurde für diese Geschichte vielfach kritisiert und angehalten, das Ganze weniger drastisch darzustellen, wie er in einem Nachwort erläutert. Das verstehe ich insofern, weil er damit zu der damaligen Zeit (1945) vielen Leuten auf den Schlips getreten hat.

Sehr gutes, handliches (192 Seiten in meinem festgebundenen Kleinformat von Diogenes) Buch, das ich bestimmt noch einmal lesen werde.
 

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