Mittwoch, 20. September 2017

Live-Update: Was mich ziemlich nervt – ein kleiner Shitstorm.


Arbeit: Ein Arbeitskollege von mir. Der, der immer zu nahe kommt. Er weiß meist nichts mit sich anzufangen, läuft dann herum und bombardiert alle mit teilweise unnötigen Aufgaben und wenn nicht das, hält er einen ewig auf, weil er Redebedarf hat. Mit ihm zu diskutieren führt allerdings auch zu nichts, denn am Ende wird sowieso alles so gemacht, wie er es will – was seine Position leider zulässt.
Außerdem nervt mich nach wie vor, dass ich als Frau ca. 25% weniger Gehalt bekomme als meine männlichen Kollegen, wobei ich in Relation zu anderen deutlich anspruchsvollere Aufgaben habe und alle immer zu mir kommen, wenn sie Aufgaben schnell und unkompliziert gelöst haben wollen. Aber „keine Sorge, wir unterscheiden nicht zwischen Männern und Frauen“. Ja nee, is klar.
Die neue Urlaubsregelung. Letztes Jahr mussten wir den gesamten Jahresurlaub bis zum 31.12. geplant haben. Was auch neu war, da wir vorher Resturlaub mit rübernehmen durften und auch dort keine Frist hatten, ihn zu nehmen. Ich hätte es verstanden, wenn die Firma nun beschlossen hätte, dass der Resturlaub bis zum 31.03. genommen werden muss, wie andere es ja auch handhaben. Aber nein, ganz oder gar nicht. Nun durften wir letztes Jahr die Resttage auch nach Neujahr noch dranhängen, wenn wir dazwischen keinen Arbeitstag hatten. Also – in eins durch bis ins neue Jahr: ging okay. Das war schon nervig genug. Nun müssen wir den Urlaub bis zum 31.12. genommen haben. Das heißt also, ich muss den Resturlaub vor Weihnachten nehmen. Und muss am 2.01. direkt wieder arbeiten, wären nach Silvester doch ein paar Extratage zum Regenerieren noch schön. Die könnte ich nehmen – sie gingen dann aber schon vom neuen Urlaub ab, obwohl ich meinen Resturlaub vorher völlig sinnfrei verbraten habe. Und eher kann ich den Resturlaub halt doch nicht nehmen, weil ich mir ein paar Tage für den Winter vorhalten muss, der bei uns auf dem Berg anders ausfällt als im Tal. Außerdem kann ja immer mal was sein, wofür man spontan einen Tag benötigt. Nerv.
Familie: Ungeschlagen auf Nummer eins nach wie vor F.s Mutter. Auf Nummer zwei ist die Jobsuche meiner Schwester und das, was alle daraus machen. Wie ich bereits seit Mitte ihres Studiums prophezeit habe, wird sie nun vermutlich eine Doktorandenstelle annehmen, um noch ein paar Jahre der „richtigen“ Arbeitswelt entfliehen zu können. Ich halte einen Doktortitel für Ingenieursberufe nach wie vor für eher hinderlich als hilfreich für die Jobsuche, wenn man nicht als Prof an der Uni bleiben will. Aber gut. Ich verstehe den Heckmeck nicht, den meine Eltern darum machen. Sie macht ihren Master, ja, okay. Sie bewirbt sich – das haben meine große Schwester und ich aber auch und da hat uns keiner für gefeiert. Mich hat auch keiner dafür gefeiert, dass ich mir einen Studienplatz gesucht habe, durch den ich dank der Kooperation mit meiner Firma einen Großteil meines Lebensunterhaltes selbst bestreiten konnte. Mich hat keiner dafür gefeiert, dass ich lange Zeit deutlich unter Hart IV-Niveau gelebt habe, während meine Schwester über 1000€ im Monat zur freien (!!!) Verfügung hat. Das ist das, was viele Vollzeitarbeitende haben… oder was sie sich wünschen würden. Je nachdem. Und nun bewirbt sie sich nur dort, wo sie Stellen haben, die exakt und 100%ig auf ihren Studienschwerpunkt passen, gleichzeitig will sie aber eigentlich auch nicht wegziehen. Naja, entscheiden muss man sich schon: Entweder der Traumjob oder in der Nähe bleiben. Elektrotechniklastige Betriebe gibt es genug, die Chance hätte sie also. Wenn sie wollte. Ist ja auch okay, wenn man sein Leben auf den Job ausrichtet – auch wenn es nichts für mich wäre, aber das muss ja jeder selbst entscheiden. Nur dann gibt es eben auch keinen Grund für Mitleid von meinen Eltern. Aber hey – kriegt sie trotzdem. Für mich ist es einfach unglaublich deprimierend, dass nichts von dem, was ich tue, gut genug ist. Ich weiß von meinen Eltern, dass sie stolz auf sie sind und auf meine große Schwester, weil sie einen Doktortitel hat. Ich habe keinen. Ich könnte natürlich einen machen, rein von der intellektuellen Seite, aber das will ich gar nicht. Ich brauche ihn nicht. Aber um ehrlich zu sein, habe ich so oft darüber nachgedacht, nur um meinen Eltern gerecht zu werden. Damit ich merke, dass sie auch auf mich stolz sind.
Ernährung: Es nervt mich, dass Ernährung so schwer ist, sobald wir unterwegs sind. Das ist natürlich unserer Wohnlage geschuldet, in Städten ist es um einiges einfacher, sich vegan zu verpflegen. Es nervt mich auch, dass ich noch nie direkt gesagt habe, dass ich vegan esse. Meinen Eltern nicht, F. nicht – wobei der wenigstens weiß, dass ich keine Eier und Milch konsumieren will, von denen ich nicht weiß, wo sie herkommen. Ich habe das Gefühl, es verstecken zu müssen, ich habe Angst vor den Reaktionen der Leute, weil ich eben schon ganz oft, wenn ich erwähnte, dass ich kein Fleisch esse, die erschrockene Nachfrage hatte: „Aber Milch und Eier isst du, oder?“ Wenn jemand sich fast ausschließlich von Fleisch ernährt, fragt da keiner kritisch nach.
Der Marktkauf, an dem ich auf dem Rückweg von der Arbeit vorbeikomme, stampft sein vegetarisches Sortiment immer mehr ein. Und zwar in einem Ausmaß, dass ich kaum noch die vegetarische Wurst für F. bekomme und Sojajoghurt auch nur in sehr eingeschränktem Maße. Das finde ich schade, denn hier hatte in den letzten Jahren eigentlich eine gute Entwicklung stattgefunden.
 
Zum Glück gibt es viele Dinge, an denen ich mich erfreuen kann und die die negativen Aspekte aufwiegen. Davon aber ein andermal mehr :)

1 Kommentar:

  1. Hm, in meiner Branche ist es zum Glück nicht so,dass Frauen weniger verdienen als Männer, zumindest nicht das ich wüsste. Aber ich kann mir vorstellen, dass das sehr frustrierend ist und finde es auch unfair. Ich war als ich in Marbella war so überrascht was es überall für tolle vegane Auswahl in den Restaurants gab. Ein Mädchen aus unserer Gruppe ist auch Veganerin und selbs im Tapas Lokal haben sie ihr ganz viele Alternativen angeboten, als wir Tapas für alle bestellt hatten. Ich bin zwar keine Veganerin, aber esse unheimlich gerne immer wieder vegan und versuche auch nicht zu oft Fleisch zu essen. Ich komme zwar aus einer grösseren Stadt (Düsseldorf) aber selbst hier könnte das Angebot besser und grösser sein wie ich finde.

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