Donnerstag, 28. September 2017


Dieses Jahr habe ich gleich zwei große Lebensziele auf einmal erreicht. Ich habe ein Haus gekauft und geheiratet. Ganz klassisch. Von den Töchtern meiner Eltern bin ich die einzige, die bewusst diesen Weg eingeschlagen hat. Meine Schwestern sind Karrieremenschen. Sie wollen sich in ihrem Beruf verwirklichen. Ihnen ist es egal, ob sie 35, 40 oder 55 Stunden die Woche arbeiten. Es ist ihnen egal, wenn sie dauernd auf Dienstreise sein müssten (was bei meiner großen Schwester der Fall ist) oder wenn sie für den Job ganz woanders wohnen müssten als der Partner (was bei dem Freund meiner großen Schwester der Fall ist, der nun in Belgien arbeitet). Sie wollen keine Kinder, sie wollen nicht heiraten, sie wollen kein Eigenheim. Das ist in Ordnung so, aber es ist nicht der Weg, den ich gehen könnte.
Ich war immer sehr ehrgeizig. Manchmal zu sehr. Ich wollte gefallen, vor allem meiner Mutter, wollte gleichzeitig schön sein, intelligent, belesen. Mittlerweile weiß ich: Intelligenz zeichnet sich nicht darüber aus, welchen akademischen Grad man erreicht. Auch nicht über Noten. Man kann intelligent sein und trotzdem kein Abi haben, weil man halt die Prioritäten anders legt. Man kann strohdumm sein und sein Abi bekommen, irgendwann flutscht jeder durch das System. Dem Abi kann man sich heute wirklich nur noch durch Freitod entziehen, wenn man den Weg erst einmal eingeschlagen hat.
Jetzt weiß ich: Ich habe alles erreicht, was ich haben wollte. Ich bin Ingenieur – ob Bachelor oder Master, danach kräht nach ein paar Jahren Berufserfahrung kein Hahn mehr. Ein Doktortitel ist im Ingenieurswesen eher hinderlich, wenn man nicht in der Forschung bleiben möchte. Ich sehe nicht schlecht aus, ich bin verheiratet, ich bin glücklich. Dass ich das jemals sagen würde, hätte ich nie gedacht. Ich mag mein Leben. Heilige Scheiße!
Noch Anfang 2014 saß ich an meinem Schreibtisch und habe in meinem Tagebuch düstere Gedankenwelten niedergeschrieben. Es gab keinen, mit dem ich reden konnte, und obwohl meine Eltern ahnten, dass etwas nicht stimmt, haben sie auch nicht gefragt. Mein Leben drehte sich ums Studium, aber vor allem um Gewicht, Essen und Nichtessen, und natürlich um meinen Exfreund. Ich habe in Angst gelebt, ich habe mich selbst gehasst und er hat mich nicht weniger niedergemacht als ich selbst. Ich wollte sterben.
Ich hätte nicht gedacht, dass es ein Happy End für mich gibt, aber ich glaube, hier ist es. Und ich bin mittendrin.

1 Kommentar:

  1. Herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit. Es freut mich sehr für Dich, dass Du Dich so angekommen fühlst.

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