Donnerstag, 10. August 2017

Heimweh.


Wieder Zuhause!

So schön La Palma eigentlich ist, so froh bin ich auch, wieder daheim zu sein. Ab der Mitte des Urlaubes hat mich starkes Heimweh gepackt.

Das war nun unser 3. Urlaub auf La Palma. 14 Tage waren dafür doch sehr viel, weil wir einfach viel schon gesehen hatten. Außerdem war es die falsche Jahreszeit für Wanderungen. Wir haben trotzdem welche gemacht, aber Spaß gemacht hat es nicht. Wenn man wandern möchte, sollte man eher in Richtung Frühjahr oder Herbst dorthin fahren.

Schwierig war auf jeden Fall das Essen. Es ist schon nicht einfach, dort vegetarisch zu essen, veganes Essen ist eine wirklich komplizierte Sache. Spanisches Essen ist einfach reich an Meeresfrüchten, Fisch und Geflügel. Oftmals blieb mir abends deswegen nur die Salattheke. Morgens blieben nur Obst und Brot ohne Margarine (da die mit Milcherzeugnissen war) und Marmelade. Jeden Tag.

Irgendwann mittendrin waren wir im Lidl, bei dem ich Sojajoghurt gekauft habe. Und siehe da, der spanische Lidl schafft etwas, was ich bisher in Deutschland sehnlichst vermisse: Er bietet Sojajoghurt in 4 verschiedenen Sorten an. Zusätzlich hat er Reis-, Hafer- und Mandelmilch im Programm. Ich finde es schade, dass es in einem Land, in dem es Mandelmilch vieeel günstiger gibt als bei uns (ca. 1,49€, je nach Marke), so schwierig ist, eine vegane Alternative zu bekommen, sobald es ans Buffet oder Essen gehen geht. Zumindest habe ich mir morgens dann immer einen Sojajoghurt zum Buffet mitgenommen. In Zeiten von weit verbreiteter Laktoseunverträglichkeit finde ich eigentlich, dass das eine gute Möglichkeit wäre, Veganer und laktoseintolerante Menschen abzudecken.

Tatsächlich gab es in unserem Örtchen einen Laden, der ausschließlich veganes Essen verkauft hat. Da ich den Rest des Urlaubes zwischen Frühstück und Abendessen ausschließlich Kekse oder hier und da einen trockenen Bocadillo (Baguette) mit Gemüse darauf essen konnte, haben wir uns das einmal gegönnt. Es gab Mehrkornbrot mit einem Burgerpattie darauf. Ich hatte etwas mit Curry und Kichererbsen, mein Freund hatte etwas mit roter Beete. Dazu hatten wir einen Bananenmilchshake ohne Milch. Der war mit Kokos- und Soyamilch und richtig geil, weil er einfach absolut keinen Sojabeigeschmack hatte. Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages mal mit F. in einem veganen Laden sitze und er ohne zu murren ein Brot mit viel Gemüse und einem veganen Belag essen würde. Aber tatsächlich ist das passiert! Ansonsten war der Laden aber quasi immer leer. Es haben sich kaum Leute dahin verirrt und als wir kamen, war die Frau auch sichtlich überfordert und hat ewig gebraucht, unser Essen zuzubereiten. Dabei waren wir nur zu zweit und haben etwas ganz einfaches bestellt. Das finde ich schade, weil die Idee dahinter so toll ist.

Meine einzigen nicht-veganen Ausrutscher waren ein als Zitroneneis betiteltes Vanillemilcheis (wtf) und ein Smoothie am Frühstücksbuffet, bei dem ich mich schon wunderte, wieso der so cremig ist (es sollte Banane-Mango sein). Bis ich dann sah, dass der Koch bei der nächsten Rutsche beherzt einen ordentlichen Schuss Milch mit in den Mixer gegeben hat. Yay.

Und dann ist mittendrin noch mein kindle gestorben, was der Supergau war, weil noch eine Woche Urlaub vor uns lag. Wir waren am Strand – er lag in der Sonne unter einem Handtuch, um ihn ein wenig zu schützen – wir kamen wieder – er hatte einen Riss im Display. Damit hätte ich leben können, hätte er denn noch funktioniert. Aber man kann ihn nur noch auf der rechten Seite benutzen. Links ist der Bildschirm ist unbrauchbar, sodass ich weder an meine Bücher komme, noch irgendwelche Einstellungen vornehmen kann. Und das kurz nach Garantieende. Ganz großes Kino. Nun stehe ich also unerwartet vor der Wahl: kindle paperwhite oder kindle voyage? Der einzige, zugleich aber große Vorteil des Voyage sind die zusätzliche Umblätterfunktion und die automatische Beleuchtungsanpassung. Aber dafür 70€ mehr auszugeben ist es mir eigentlich nicht wert. Ich ringe noch mit mir, werde aber in Kürze eine Entscheidung treffen müssen, da ich bis zur Hochzeit auf Baltrum gern einen neuen kindle hätte (Baltrum ohne Bücher = Langeweile ohne Ende).

Ich habe dann im Urlaub zu einem Wucherpreis ein Buch gekauft, das ich im normalen Leben niemals hätte lesen wollen, aber der Laden hatte nur fünf deutsche Bücher und genausoviele englischsprachige Bücher, von denen keines ansprechend klang, sodass ich das mit den meisten Seiten genommen habe :D Letztlich war das Buch gar nicht sooo schlimm wie gedacht, trotzdem ärgert es mich. Vor allem weil der kindle auf den Seychellen bei Sonne, 30Grad und 85% Luftfeuchtigkeit überlebt hat, jetzt aber plötzlich bei 25 Grad und Schatten einen Spannungsriss bekommen hat.

Die letzten 7 Tage des Urlaubes habe ich nur noch auf Zuhause hingefiebert. Wieder werde ich darin bestätigt: Ich brauche nicht unbedingt Urlaub im Ausland, auch nicht überhaupt irgendwo anders. Zumindest nicht in der Frequenz. Ich wäre genauso glücklich gewesen, einfach mal Zuhause zu sein. 2 ½ Wochen auf Balkonien – für manche mag das grauselig klingen, für mich ist es genau das, was ich mir mal wünsche. Wir hätten entspannen und endlich diesen Vorgarten beenden können. Ich hätte mir keine 14 Tage jeden Tag Sorgen um das Essen machen und auf so vieles verzichten müssen (14 Tage ohne Schokolade übrigens!). Ich habe die üppige Vegetation vermisst (und dabei ist La Palma schon die grünste Kanareninsel).

Meine Eltern sind mit uns früher nie weggefahren oder weggeflogen. Wir haben viele Tagesausflüge gemacht und alle waren damit zufrieden. Dass ich mit F. nun etwas von der Welt gesehen und den klassischen Urlaub mal erlebt habe, ist auch schön. Aber ich weiß nun, dass ich es nicht brauche. Das ist eine Sache, die mir großes Kopfzerbrechen für unsere gemeinsame Zukunft bereitet: Er weiß genau, dass ich kein Urlaubsmensch bin. Aber er stößt trotzdem ständig neuen Urlaub an. Jetzt sagt er: Ich will nur einmal in meinem Leben mit Meeresschildkröten geschwommen sein, dann bin ich glücklich. Ich weiß genau: Wenn er mit Meeresschildkröten geschwommen ist, kommt ein anderer Wunsch nach einem anderen Land. Was ich mir wünsche: 10 Jahre kürzer treten und möglichst viel Geld in die Sondertilgungen stecken, damit wir auch wirklich danach raus sind aus der Nummer.

Dass er in dieser Hinsicht einfach absolut egoistisch ist, finde ich schade und das ist auch das größte Manko überhaupt an ihm. Es ist nicht so, dass ich damit nicht leben könnte, aber es ist schon eine Sache, die mich belastet. Ich mache daraus kein Geheimnis. Ich sage, dass er der Urlaubsmensch ist und dass ich das nicht immer brauche und frage ihn, wie das mit Kindern werden soll. Und er sagt dann immer, dass es dann ja auch ohne geht und dass man dann ja irgendwann mal nach Menorca könne. Und ich weiß, wie es endet: Er hat Fernweh und nach einer gewissen Zeit wird dezent angefangen, in die Richtung Urlaub zu drängeln.

Wir haben außerdem Tiere. Ich hatte ein unglaublich schlechtes Gewissen den Kaninchen gegenüber, weil sie 14 Tage lang eingepfercht verbracht haben. Normalerweise haben sie jeden Tag Freilauf. F. wünscht sich so viel, das einfach nicht zusammen passt. Noch mehr Tiere (Landschildkröte, Eidechse, Sonnensittiche), obwohl mittlerweile sogar ich der Meinung bin, dass es definitiv reicht, so wie es ist, ein Baby, ein schöner Garten, aber auf der anderen Seite ständig unterwegs sein? Das passt einfach nicht zueinander.

Ich finde es schade, dass F. jetzt, wo wir ein schönes Zuhause, UNSER Zuhause, haben, immer noch keinen Anlass sieht, das einfach mal zu genießen.  

Ich will La Palma aber nicht schlecht reden. Die Insel ist toll – ich habe mich nun, nach dem dritten Mal dort, allerdings ein wenig daran sattgesehen und brauche es nicht nächstes Jahr wieder.

1 Kommentar:

  1. Ehrlich gesagt kann ich F. verstehen. Ich möchte auch so viel wie möglich von der Welt sehen und könnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, meine freie Zeit nur zuhause zu verbringen. So lange es noch so problemlos geht (also so lange keine Kinder da sind, keine gravierenden gesundheitlichen Einschränkungen oder so), möchte ich auch so viel wie möglich reisen. Zuhause werde ich voraussichtlich noch oft genug sitzen. Und ich glaube, Fernweh hat man entweder im Blut oder nicht. Bei meinem Freund und mir ist es zum Glück so, dass wir es beide haben, nur bei den Zielen gibt's teilweise unterschiedliche Präferenzen:D

    Ich muss dir allerdings Recht geben, dass Kinder/ Familienplanung und viele Haustiere und viel reisen nicht unbedingt zusammenpassen. Da müssen dann beim Reisefieber vermutlich Abstriche gemacht werden.
    Bei uns geht es mit den zwei Katzen zum Glück gerade noch, haben eine gute und vertrauenswürdige Katzenpension gefunden sowie für kürzere Abwesenheiten auch Personen, die mal nach den beiden schauen können. Aber von dem Traum "eigenes Pferd" oder auch nur "noch mal feste Reitbeteiligung" habe ich mich vorerst zB verabschiedet- da wäre Reisen oder evtl sogar mal Auswandern dann gar nicht mehr mit kompatibel.

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