Freitag, 7. Juli 2017

Manchmal ist weniger mehr.


Warum konzentrieren wir uns eigentlich immer nur auf das, was wir nicht haben? Warum müssen wir immer nach oben streben? Eine Sache, die ich auf den Seychellen gelernt habe, ist, dass Menschen mit ganz einfachen Mitteln glücklich sein können. Die Leute da haben nicht viel. Teilweise haben sie nicht einmal richtige Häuser, sondern Wellblechhütten. Und sie sind so wunderbar entspannt. Sie sind fröhlich, sie sind gesellig, sie wirken auf mich absolut glücklich. Und das nur, weil sie wissen, dass sie zwar wenig haben, aber genug zum Leben. Sie sind zufrieden mit dem, was sie haben.
Und wir? Wir wollen immer nur mehr. Der VW reicht nicht mehr und es muss ein BMW sein. Die 50m²-Mietwohnung reicht plötzlich nicht mehr, obwohl man alles gut unterbekommen hat. Nein, es muss das Doppelte sein. Aber wer soll das bezahlen?
Manchmal ist weniger mehr. Ich habe viele Jahre deutlich unter dem HartzIV-Satz gelebt. Und ich bin zurecht gekommen. Ich hatte nicht viel, aber es hat gereicht. Ich hätte mir Nahrung kaufen können, wenn ich es gewollt hätte und ich hätte mir hier und da eine Kleinigkeit gönnen können, wenn ich es gewollt hätte. Das habe ich aber nicht. Ich bin zur Sparsamkeit erzogen worden. Ich habe viele Ferienjobs gemacht und nur das nötigste Geld ausgegeben. Deswegen hat sich bei mir bereits vor der Übernahme in meiner Firma eine Summe von über 20.000€ angehäuft. F. dagegen, der ist eben nicht sparsam. Der hat von seinen Großeltern sein erstes Auto geschenkt bekommen, irgendwann dann aber sein zweites Auto vollkommen überteuert gekauft. Seine Großeltern haben ihm 8.000€ geschenkt. Von seinem Opa hat er 22.000€ bekommen. Er hat in Summe also mehr Geld geschenkt bekommen, als ich aus eigener Kraft gespart habe. Und trotzdem hat er jetzt weniger als ich. Liegt halt noch ein Auto zwischen.
Familienkrankheit: Wir sitzen auf unserem Geld. Meine Eltern, meine Großeltern. Sie leben einfache Leben, und sie sind glücklich damit. Meine Großeltern verteilen in regelmäßigen Abständen Geld an meine Mutter und meine Onkel, einfach, weil sie es nicht brauchen. Sie sagen, dass sie ein Haus haben und ein Auto. Sie müssen sich keine Gedanken machen, dass sie es sich nicht leisten können, wenn die Heizung kaputt geht oder ihr Auto. Sie kaufen bei Lidl und Aldi, sie fahren selten weg. Sie leben einfach. Aber sie sind glücklich damit.
Ich möchte mir solche Leute – meine Großeltern, die Einwohner von La Digue – als Vorbild nehmen. Ich habe alles, was ich brauche, eigentlich habe ich sogar deutlich mehr, als ich brauche. Ich habe ein Auto, das ich fast nie fahre, weil wir immer gemeinsam zur Arbeit fahren. Ich habe es noch, weil es noch in einem super Zustand ist, ich es vor 1 ½ Jahren einmal generalüberholen lassen habe und es deswegen zu schade wäre, es jetzt für eine Kümmersumme zu verkaufen. Außerdem denke ich mir, wenn Kinder kommen, werde ich es brauchen. Weil man in unserem Kuhkaff, das noch dazu sehr bergig liegt, nicht eben mal ohne Auto wegkommt. Wenn mein Auto nicht mehr ist, muss ich entscheiden, ob ich wieder eins hole. Oder ob es ein billiges E-Fahrzeug wie der Twizzy wird, was sich aber kostenmäßig auch nicht lohnen würde. Oder ob ich vielleicht einfach ein E-Bike zusätzlich zu meinem Rad kaufe, mir die Steuern und Versicherung für ein Auto spare und trotzdem ohne zu sterben zum Einkaufen und meinen Eltern komme. Aber das werde ich dann sehen. Wir leben, auch wenn man immer in dem Gedanken lebt, dass es nett wäre, mehr zu haben, im Überfluss. Wir können sparen, das bedeutet, dass wir mehr Geld haben, als wir brauchen (momentan geht das Gesparte dann in die Sondertilgungen, aber das ist eine andere Geschichte).
Und weil es eben eigentlich nichts gibt, was uns fehlt, sollten wir glücklich leben können. Wir haben Nahrung und ein Dach über dem Kopf – was will man mehr? Ich werde versuchen, das mehr zu schätzen und mir weniger Gedanken zu machen. Statt mir den Kopf zu zerbrechen, was schlimmstenfalls passieren könnte, möchte ich das genießen, was ich habe. Und das ist so viel Gutes!
In unserer Leistungsgesellschaft wird uns leider viel beigebracht, was in die Richtung Erfolg und Geld geht. Aber uns wird überhaupt nicht gezeigt, wie wir unser Leben wirklich lebenswert gestalten. Ruhemomente einbringen. Abschalten können. Genießen können. Dabei ist das für ein effektives Arbeiten genauso wichtig wie eine angemessene Bezahlung.
Ich werde daran arbeiten, in die richtige Richtung zu gehen und mein Leben so zu genießen, wie es ist.

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