Freitag, 30. Juni 2017

Liebesbrief.


Ich schreibe dir das hier, weil ich, wie du weißt, nicht gut im Reden bin. Es gibt aber trotzdem Sachen, die ich sagen will. Am liebsten wortlos, aber ich glaube, dass das manchmal nicht reicht.

Wir sind zwei Menschen, die gleichzeitig von Grund auf verschieden und doch so ähnlich sind. Du bist laut, ich bin leise. Du redest viel, ich spreche wenig. Ich liebe Bücher, du liebst Angeln und Flugzeuge. Ich stehe gern mit dem Sonnenaufgang auf, du bist eigentlich Langschläfer. Ich bin jemand, der gern plant, du bist einer der spontansten Menschen, die ich kenne. Das ist oft nicht leicht für mich. Und für dich bestimmt genauso wenig, weil du weißt, wie wenig ich es mag, wenn meine Pläne umgeworfen werden. Nach außen zeigst du ein fast schon unverschämtes Selbstbewusstsein, während ich mich immer klein rede. Du stehst gern und viel im Mittelpunkt, ich habe Mühe, überhaupt gesehen zu werden.

Auf der anderen Seite lieben wir beide die Natur. Wir mögen es, im Sommer ganze Tage draußen zu verbringen. Wir haben denselben Musikgeschmack und mögen ähnliche Kleidung. Wir sind beide keine Fans von Schminke und mögen es natürlich. Wir lieben Tiere. Wir können leider nicht gut über Gefühle reden. Und eigentlich hast du, auch wenn du es nach außen hin sehr gut verstecken kannst, ein genauso kleines Selbstbewusstsein wie ich. Du versuchst das mit deinem Getöse zu verbergen, aber ich sehe es trotzdem. Ich glaube, das liegt daran, dass dir in deiner Kindheit niemand außer deinen Großeltern dir das Gefühl gegeben hat, wichtig zu sein. Und Großeltern reichen dafür nun einmal nicht. Zumindest nicht, wenn man Eltern hat, die dafür zuständig sein sollten.

Ich habe lange die Hoffnung aufgegeben, irgendwann ein Leben führen zu können, in dem ich überhaupt eine Rolle spiele. Ich habe sehr lange Krieg gegen mich selbst geführt und oft darüber nachgedacht, einfach zu gehen. Mir dir habe ich das erste Mal Hoffnung, dass es etwas gibt, für das es sich zu leben lohnt. Mit dir habe ich das Gefühl, dass es eine Zukunft gibt. Und vor allem eine, auf die man sich freuen kann. Dinge wie Hochzeit und Kinder lagen vor dir in so weiter Ferne und waren quasi ungreifbar. Um ehrlich zu sein, habe ich gedacht, dass es besser ist, dass Menschen wie ich sich lieber nicht reproduzieren. Danke, dass du in mein Leben getreten bist. Und danke, dass du bist, wie du bist. Wunderbar unkompliziert. Manchmal ein wenig tollpatschig. Aber nie unfreundlich und fies.

Tut mir Leid, dass ich dir das hier nicht einfach so sagen kann. Aber das kannst du leider genauso wenig.

Danke, dass du mich so nimmst, wie ich bin, obwohl ich alles andere als perfekt bin.

Danke, dass wir eine Zukunft zusammen haben werden.

Ich liebe dich.
 

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