Donnerstag, 11. Mai 2017

Buchvorstellung


An dieser Stelle möchte ich allen sehr die Romane von John Irving ans Herz legen. Ich lese gerade mein zweites Buch von ihm und finde es sehr bedauerlich, dass er als Autor nicht schon eher in mein Leben getreten ist. Seine Bücher sind anders als vieles, was ich bisher gelesen habe. Er hat oftmals mehrere Handlungsstränge, die er geschickt zusammenlaufen lässt, und ist sehr detailverliebt. Das führt dazu, dass die Bücher sehr lang werden (durchschnittlich 600-900 Seiten) und ich am Anfang etwas gebraucht habe, mich in die Handlung einzufinden.

Er beschäftigt sich viel mit dem Thema Sexualität und greift Tabuthemen wie Vergewaltigung, Sex und Abtreibung auf. Gelesen habe ich von ihm bisher „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, das von einem Waisenhaus handelt, in dem zusätzlich schwangere Frauen, die ihr Kind nicht wollen, entbinden können und das Baby gleich dort lassen und in dem kostenlose Abtreibungen durchgeführt werden zu einer Zeit, als sie noch verboten waren. Die Geschichte handelt im Grunde vom Leben des Waisen Homer und den Leiter des Waisenhauses Dr. Larch. Dr. Larch ist eine gute Seele, die Frauen selbst entscheiden lassen will, ob sie ihre Babys bekommen, und sie von den unhygienischen Hinterhofpfuschereien schützen will, wie damals Abtreibungen für viel Geld durchgeführt wurden. Außerdem ist er äthersüchtig. Homer ist ein Waise, der es nie länger in einer Pflegefamilie aushält und immer zum Waisenhaus zurückkehrt. Eine andere Waise, Melody, zu der er eine ungewöhnliche Beziehung pflegt, ringt ihm das Versprechen ab, dass keiner von ihnen jemals das Waisenhaus verlässt.

Um ihm eine Aufgabe zu geben, weist Dr. Larch ihn in sein „Geschäft“ ein. Homer bekommt eine gute medizinische Grundausbildung, beschließt aber, dass er zwar den Wunsch der Frauen respektiert, eine Abtreibung durchführen zu lassen, sie aber nicht selbst durchführen möchte. Die Geburten übernimmt er aber. Später kommen eine Tochter eines Hummerfischers mit ihrem Freund, dem Sohn einer Apfelplantagenbesitzerin, zu ihnen in die Klinik, weil sie ungewollt schwanger geworden ist. Homer verliebt sich auf der Stelle in sie und beschließt, mit ihnen zu gehen. Obwohl es zunächst nur sein soll, um ein paar junge Apfelbäume mitzunehmen und auf die Hügel beim Weisenhaus zu pflanzen, wissen sowohl Homer als auch Larch, dass sie sich auf unbestimmte Zeit trennen werden. Sie bleiben aber in regem Kontakt. Dr. Larch denkt sich, um Homer vor dem drohenden Krieg zu schützen, einen Herzfehler aus, den Homer haben soll, und streut diese Informationen dezent bei den Personen, bei denen er untergekommen ist. Homer lernt derweil das Apfelgeschäft kennen. Als der Freund von der Frau, Candy, in die Homer verliebt ist, scheinbar im Krieg umkommt, beginnt sie ein Verhältnis mit ihm, aus dem auch ein Kind hervorgeht. Ihr Freund kommt aber unverhofft im Rollstuhl aus dem Krieg wieder, die Beiden heiraten. Der Sohn von Homer und Candy wird ihrem nun Ehemann als Weisenkind verkauft, das Homer adoptiert hat. Fortan führen sie eine ungewöhnliche Dreiecksbeziehung, weil Homer mit beiden gut befreundet ist, aber nicht von seiner Affäre mit Candy ablassen kann.

 Melody geht auf die Suche nach Homer, findet ihn aber zunächst nicht. Am Ende schließt sich natürlich der Kreis, denn Dr. Larch wird alt und hat keinen Nachfolger. Das Waisenhaus droht geschlossen zu werden. Als Dr. Larch dann an einer Überdosis Äther stirbt, muss Homer sich entscheiden, was er zu tun hat.

Im Grunde ist das schon die Geschichte, aber sie ist so vielschichtig erzählt, dass doch über 1000 Seiten dabei herausgekommen sind. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert und tiefgründig mit vielen Spritzern Humor hier und da.

Das zweite Buch von ihm, welches ich gerade beendet habe, heißt „Garp und wie er die Welt sah“. Ganz grundlegend wird hier die Lebensgeschichte von Jenny Fields, einer Krankenschwester, Feministin und später auch Autorin, und ihrem Sohn T.S. Garp erzählt. Allein die Zeugung ihres Sohnes läuft sehr abstrus vonstatten. Homer wächst an einer Schule für Jungen auf, in dessen Krankentrakt Jenny Fields tätig ist. Homer verliebt sich, als er das Ringertraining anfängt, in die Tochter des Sportlehrers, die dann zum Studieren wegziehen muss. Sie verschließt sich aber, weil sie der Meinung ist, keinen Ringer, sondern einen Autoren heiraten zu wollen. Also beschließt Garp, dass er Schriftsteller wird. Mit seiner Mutter zieht er zunächst nach Wien, wo sie wie im Wahn ihre Autobiografie schreibt. Garp ist weniger erfolgreich in seinen Schreibversuchen, während ihr Buch einschlägt wie eine Bombe. Es ist eine Art feministisches Manifest gegen Männer und über Frauen und deren Rolle und Unterdrückung. Nachdem Garp doch ein Manuskript veröffentlicht, heiratet die Frau, in die er verliebt ist, Helen, ihn doch. Sie bekommen zwei Kinder. Weil Helen aber weiter arbeiten will und Garp Schriftsteller ist, hütet er das Haus und die Kinder und versucht sich weiterhin an seinen Skripten. Zwischenzeitlich hat er viele Affären und irgendwann entsteht eine seltsame Vierecksbeziehung zwischen Garp, Helen, einem Kollegen von ihr und seiner Frau, die am Ende beendet wird. Von dem Zeitpunkt an verläuft sein Leben ruhiger und treu. Seine Mutter wird Frauenrechtlerin und immer bekannter, was ihr nicht nur Befürworter einbringt. Garp, der im Schatten seiner berühmten Mutter steht, möchte sich mit seinen Büchern von ihr hervorheben, hat aber viele Schreibkrisen und Phasen, in der er gar kein Schriftsteller mehr sein möchte. Helen bringt ihn aber immer wieder auf diesen Pfad zurück. Als Helen eine Affäre mit einem Studenten von sich beginnt und seine Ex-Geliebte ihm dies erzählt, erwartet Garp von ihr, dass sie diese sofort beendet. Als Helen dies versucht, während Garp mit den Kindern im Kino ist, sieht sie aber die einzige Möglichkeit darin, ihn schnell loszuwerden, indem sie ihm im Auto vor ihrem Haus noch einen Blowjob gibt. Garp wittert aber Lunte und kehrt früher als erwartet mit seinen Kindern vom Kino heim. Auf der vereisten Straße verliert er die Kontrolle über das Auto und fährt in den parkenden Wagen hinein. Sein jüngster Sohn stirbt, sein älterer Sohn verliert ein Auge, Garp bricht sich den Kiefer. Helen beißt beim Aufprall den Penis ihrer Affäre ab. Im Grund leben sie danach ihr Leben ohne größere Zwischenfälle weiter. Garp schreibt, sein Verleger versucht, Werbung mit seinem Leidensweg zu machen. Als sie eine Ansprache halten soll, wird seine Mutter von einem ihrer Gegner erschossen. Auch Garp soll die Bekanntheit seiner Mutter später zum Verhängnis werden…

Tolle Bücher, die restlichen Bücher von John Irving werden definitiv noch folgen.


Kommentare:

  1. Ganz großartige Bücher... bin vor 6 Jahren über einen Mitbewohner an "Gottes Werk und Teufels Beitrag" gekommen und habe seitdem schon einiges von Irving gelesen. "Garp" hat mich irgendwie ein bisschen an "Die Blechtrommel" von Günther Grass erinnert... Schön zu lesen, dass auch anderen seine Bücher gefallen. Zu "Gottes wer..." gibt es übrigens eine Verfilmung mit Tobey Macguire in der Hauptrolle - kommt aber wie immer nicht ans Buch ran. :)

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    1. Hallo,

      ich habe gesehen, dass das Buch verfilmt wurde, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass der Film an das Buch herankommt, deswegen habe ich es damit gar nicht erst versucht :D
      Schön, dass es immer noch andere Bücherfreunde gibt in der Zeit von Netflix & Co. :)

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