Mittwoch, 24. Februar 2016


Draußen scheint die Sonne. Das ist man gar nicht mehr gewohnt. Es sieht fast ein bisschen nach Sommer aus, wenn man die kahlen Bäume ignoriert. Mindestens aber nach Frühling und so klingt es auch. Die Vögel singen Frühlingslieder. Da kann man fast vergessen, dass es eiskalt draußen ist und es heute Morgen spiegelglatt war. Ich mag es, wenn die Bäume grün sind und das Leben wieder sichtbar ist. Meist kehrt dann ein bisschen Lebensgeist in mich zurück. Vielleicht so auch dieses Jahr. Vielleicht auch nicht. Manchmal denke ich mir, wozu ich es eigentlich nötig habe, mich über meine Figur zu definieren. Ich bestehe aus soviel mehr. Ich mag meine Augen, weil sie grün sind und einen dunklen Rand außen rum haben. Ich mag meine Bücherverrücktheit und meine Tiervernarrtheit und meine Liebe zur Natur. Ich fahre gern und viel Rad, auch das gefällt mir an mir. Ich kann mich an Dingen festbeißen und gut hineindenken. Mir fällt es leicht, komplizierte Zusammenhänge zu verstehen, und ich schaffe es, mich selbstständig dort einzuarbeiten. Ich bin sehr selbstständig in Bezug auf Wissen für die Arbeit / das Studium. Ich bin immer für alle da, manchmal ein wenig zu sehr und manchmal für Leute, die es gar nicht verdient haben. Ich gebe mehr als ich nehme. Ich kann nicht sehr viel mit Frauendingen anfangen. Ich hasse Schuhe kaufen und ich hasse Klamotten kaufen. Wenn das nötig ist, erledige ich das im Internet. Ich komme meistens besser mit Männern klar als mit Frauen. Ich mag Lego und die Simpsons. Und Ballerspiele. Und ich liebe meinen Nintendo DS. Ich will eine Xbox haben und einen Star Wars Laptop. Objektiv betrachtet, denke ich, ich bin zwar etwas verrückt, aber  eigentlich ein Mensch, mit dem man gut befreundet sein kann. Eigentlich auch ein Mensch, mit dem man alt werden könnte – wären da nicht die Depressionen und die ES. Diese sind wiederum da, weil ich mir oft nicht vorstellen kann, dass ich ein guter Mensch bin, obwohl ich es eigentlich besser wissen sollte. Sehr irrational und konträr. F. fragte mal, wie es sein könne, dass ich immer solche Dinge sage, wo ich doch normalerweise so rational bin. Ehrliche Antwort: Ich habe keine Ahnung. Logisches Denken greift bei mir immer, wenn es um andere geht. Ich sage anderen, die sich Gedanken um ihr Gewicht und ihr Aussehen machen, was für ein Schwachsinn. Du bist doch wunderschön. Du wiegst nicht zuviel. Ich mag deine Figur. Mir sage ich: Urgh. Anderen sage ich, hey, du bist doch ein toller Mensch. Mir sage ich: Urgh. Anderen sage ich: Man kann sich nicht immer nur gesund ernähren. Mir sage ich: Urgh. Für mich gelten andere Regeln, weil ich mit mir nicht so gnädig bin wie mit anderen. Und das völlig ohne Grund. Ich bin gemein zu mir, einfach weil ich es kann. Vielleicht, weil ich anderen nie von Angesicht zu Angesicht meine Meinung sage.
Der Neue in unserer Abteilung kommt z.B. immer viel zu nah an mich heran. Am liebsten würde ich ihm sagen: Geh weg. Das ist mir unangenehm. Wohlfühlabstand unterschritten! Letztens hat er mir in der Kaffeeküche den Arm gestreichelt und gefragt: „Ist alles okay?“ Und ich wollte ihn am liebsten anblaffen, was bitte die Scheiße soll. Das ist kein angemessenes Verhalten gegenüber Arbeitskollegen, vor allem aber nicht weiblichen, weil man da leicht missverstanden werden kann. Aber ich habe nichts gesagt. Ich bin aus der Kaffeeküche gegangen, habe F. geschrieben, was passiert ist, er hat sich etwas aufgeregt, natürlich, aber damit hatte sich das. Und wenn der Typ jetzt kommt und 5-10cm von meinem Gesicht entfernt mit mir redet, sage ich auch nichts. Aber es ist unangenehm.
Meiner Mutter würde ich gern sagen, dass irgendwas mit uns völlig falsch gelaufen ist. Warum hat sie immer nur meiner kleinen Schwester Beachtung geschenkt? Warum konnte ich es ihr nie recht machen, egal, was ich versucht habe? Warum darf meine kleine Schwester ihr Stipendium und Nebenjobgeld behalten und bei mir wurde mein mickriges Ausbildungsgehalt mit der Unterstützung von meinen Eltern verrechnet? Nicht, dass ich mehr gebraucht hätte. Aber ich hätte mir schon gewünscht, dass sie dann genausoviel hat. Und nicht eben mal die Miete plus 400€ zum Leben bekommt plus 300€ Stipendium plus 200€ Nebenjob. Während ich damals zuerst von 500€ Miete plus alles andere zahlen musste und dann, als ich in dieser Firma anfing, 400€ bekam und alles andere von meinem Mickergehalt bestreiten musste. Inklusive des Sprits für 60km Fahrstrecke am Tag. Aber ich sage nichts. Selbst schuld, oder so. Keine Ahnung.
Heute Abend fahren F. und ich Schwimmen. Wir scheinen das jetzt fast wöchentlich zu machen, das gefällt mir. Ich mag Schwimmen gehen. Leider habe ich danach immer tödlichen Hunger. Aber eigentlich ist es auch egal. Ich nehme ja eh nicht zu.

1 Kommentar:

  1. hey hey, mein google-profil & alles was damit zu tun hatte ist gestern gelöscht worden :( warum auch immer, keine ahnung, ich kann mich nicht mehr anmelden und mein blog ist auch komplett weg -.- also nicht wundern, wenn du auf meine alte seite klickst & sie weg ist. schönen tag dir! ♥

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